Datenkultur - Macht das bei uns nicht HR?

Feb 1
In einer Zeit, in der Daten das Rückgrat moderner Unternehmen bilden, gewinnt die Frage nach der Rolle der Datenkultur innerhalb der Organisationsstruktur zunehmend an Bedeutung. Während traditionelle Aspekte wie Arbeitsatmosphäre, Führungsstil und Mitarbeiterentwicklung oft im Fokus der HR-Abteilungen stehen, stellt sich die Frage: Wer ist verantwortlich für die Pflege und Entwicklung einer starken Datenkultur? Ist es eine Aufgabe für HR oder bedarf es einer spezialisierten Rolle?

Durch die Schaffung der Rolle des Chief Data Officer (CDO) bekommen Daten einen festen Platz auf höchster Managementeben. Diese Rolle konzentriert sich darauf, Datenstrategien zu entwickeln, eine Kultur der Datennutzung zu fördern und Innovationen voranzutreiben, die den wahren Wert der Daten erschließen. Der CDO ist der Architekt einer Datenkultur, die das Unternehmen nicht nur flexibler und innovativer macht, sondern auch dessen Image nach außen hin stärkt und neue Talente anzieht.

Verschiedene Sichten auf Kultur

Wenn man Menschen in ihrem privaten Umfeld auf das die Kultur ihres Unternehmens anspricht, denken viele intuitiv zunächst an ihr direktes Arbeitsumfeld. Es geht um die allgemeine Atmosphäre bei ihrer täglichen Arbeit. Also, wie ist der Umgangston untereinander, welches Verhältnis habe ich zu meinem Chef? Erhalte ich Anerkennung und Wertschätzung für meine Arbeit und kann ich neue Ideen einbringen? Welche Lern- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten werden geboten? Wie unterstützt oder behindert mich das Unternehmen mein Privat- und Berufsleben miteinander zu vereinbaren?

Wenn man Manager auf das gleiche Thema anspricht, drehen sich die Antworten dagegen vor allem um organisatorische Aspekte oder Themen aus dem Bereich Leadership. Es geht darum, im Allgemeinen, irgendwie flexibler, jünger und innovativer zu werden. Das Mindset der Mitarbeiter soll vielleicht moderner und offener weiterentwickelt werden. Ein wichtiges Ziel ist nicht selten das Image des Unternehmens nach außen zu verbessern, schon allein um neue Talente anzulocken. Gespräche handeln von agilen Methoden wie OKRs oder SCRUM, Lean, Design Thinking und Lego Serious Play.

Wenn wir über Datenkultur sprechen, geht es vor allem darum, wie Menschen auf allen Ebenen mit Daten umgehen, sie wertschätzen und in ihre täglichen Entscheidungsprozesse einbeziehen. Es geht dabei zwar auch um Know-how, in erster Linie aber darum die Wertschöpfung mit Hilfe von Daten zu verbessern. Es geht darum, wie Daten für jeden einzelnen im Unternehmen echten Mehrwert schaffen können. Dafür müssen Ängste überwunden und Vertrauen geschaffen werden. Es geht darum zu verstehen, welche Veränderungen an der Unternehmenskultur notwendig sind, um mit Daten wirklich sinnvoll arbeiten zu können.

Die Rolle von HR

Datenkultur ein multidisziplinäres Thema ist, das weit über die Grenzen von IT und Datenanalyse hinausgeht. Eine moderne HR spielt eine zentrale Rolle bei der Gestaltung der Unternehmenskultur und hat daher auch einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung und Pflege einer effektiven Datenkultur. Die Integration von Datenkompetenz in die Unternehmenskultur, die Förderung von datengesteuerten Entscheidungsprozessen und die Schaffung einer Umgebung, die Innovation und kontinuierliches Lernen unterstützt, sind Schlüsselaspekte, in denen HR maßgeblich beitragen kann.

Die eigentliche Nutzung und Wertschöpfung aus Daten ist aber eine unternehmensweite Verantwortung, die in die DNA jedes Bereichs des Unternehmens eingebettet sein muss. Viele Unternehmen haben zur Bewältigung dieser Mammutaufgabe ein neues Schlüsselressort gegründet:

Die Chief Data Officer (CDO) Organisation. Damit bekommen Daten einen Platz am Tisch der obersten Führungsebene des Unternehmens. Der CDO und seine Organisation sind speziell darauf ausgerichtet, die Datenstrategie und -kultur eines Unternehmens zu steuern und zu entwickeln, was über die herkömmlichen Aufgabenbereiche von HR hinausgeht. Der CDO und seine Organisation füllen diese Lücke als Bindeglied zwischen der Vision des Unternehmens und der praktischen Umsetzung einer datengetriebenen Arbeitsweise. Sie ergänzen die Arbeit von HR, indem er die Datenkultur mit Leben füllt und sie zu einem integralen Bestandteil des Unternehmensalltags macht.

Der CDO als Dirigent

Der CDO ist sozusagen der Dirigent, der das Orchester der verschiedenen Daten-Stakeholder leitet, mit einer klaren Vision, wie Daten das Unternehmen voranbringen können. 

Als Verantwortlicher für die Datenstrategie entwirft der CDO eine klare Blaupause, wie Daten die Geschäftsziele vorantreiben, die Innovation fördern und neue Märkte erschließen können. Es geht darum, wie Daten gezielt eingesetzt werden können, um das Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Er sorgt dafür, dass Daten nicht nur gesammelt und analysiert, sondern als integraler Bestandteil der täglichen Arbeit angesehen werden. Er schafft ein Umfeld, in dem Mitarbeiter ermutigt werden, Fragen zu stellen, Hypothesen zu testen und aus den Ergebnissen zu lernen. Dies erfordert eine offene Datenkultur, die Fehler als Lernchance begreift und Neugier belohnt.

Der CDO ist der Brückenbauer zwischen der IT und den Fachabteilungen.
Während die CIO Organisation dafür sorgt, dass die technologische Infrastruktur leistungsfähig und sicher ist, richtet der CDO seinen Fokus immer auf die Anforderungen der Benutzer, sodass jeder Mitarbeiter Daten effektiv nutzen kann. Dabei geht es nicht nur um technische Standards oder Compliance, sondern auch um ethische Grundsätze. Der respektvolle Umgang mit Kundendaten, Transparenz in der Datenverarbeitung und der Schutz der Privatsphäre sind Schlüsselelemente, die, sowohl bei den eigenen Mitarbeitern als auch bei Kunden und Partnern das nötige Vertrauen schaffen.

Damit der CDO erfolgreich sein kann, muss er Silodenken überwinden und die Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinweg fördern. Dafür muss er die Sprache der Techniker genauso verstehen, wie die der Marketingexperten oder Produktentwickler. Indem er Teams zusammenbringt und den Austausch fördert, ermöglicht er neue Perspektiven und innovative Lösungen, die aus dem Zusammenspiel unterschiedlicher Fachrichtungen entstehen, um Innovationen zu begünstigen.

Letztlich geht es dem CDO darum, den Wert der Daten voll auszuschöpfen. Er sucht nach Wegen, wie Daten neue Geschäftsfelder eröffnen, die Effizienz steigern oder die Kundenzufriedenheit erhöhen können. 

Mehr Wert für Alle

Doch kein CDO kann erfolgreich sein, wenn er es versäumt auf dieser Reise die Menschen im eigenen Unternehmen auch mitzunehmen. Leider erleben wir es immer wieder, dass Manager versuchen Menschen, über deren Köpfe hinweg mit Daten erfolgreich zu machen. In einem der Silos der Elfenbeintürme von CIO-, CDO- oder einer Fachbereichs-Organisation werden scharfsinnige Strategien ersonnen und mit der neuesten Technologie kombiniert. Diese werden dann top-down entlang der Organisationshierarchie kommuniziert und durch Leadership-Programme und Change Management Initiativen flankiert. Die brutale Wahrheit ist, dass 70% dieser Initiativen scheitern.

Unser Vorschlag: Binden Sie die Menschen doch in Ihre Initiativen mit ein. Ebenso wie der Nutzen der externen Kunden, muss auch der Nutzen für die internen Kunden im Fokus der Handlungen des CDO liegen. Schaffen Sie eine Möglichkeit wie Menschen den Vorteil von Daten für ihre tägliche Arbeit selbst erfahren können. Zeigen Sie Ihnen, wie Daten Ihnen helfen, ein Kundenproblem zu finden, zu verstehen und zu verbessern. Begeistern Sie sie für die Möglichkeiten und nehmen Sie Ihnen die Angst. Erklären Sie, wie künstliche Intelligenz Ihnen helfen kann lästige Tätigkeiten abzugeben und machen Sie deutlich welch zentrale Rolle Menschen auch in Zukunft für das Unternehmen spielen werden. Machen Sie sie erfolgreich, denn nichts motiviert mehr als gemeinsamer Erfolg.
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